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Latein als 3. Fremdsprache



Der Unterricht im Fach Latein im Wahlpflichtbereich in der Sekundarstufe I führt zum Erwerb allgemeiner Lateinkenntnisse. Er bereitet das sogenannte Latinum als Eingangsvoraussetzung zur Aufnahme verschiedener Studiengänge an den Universitäten vor (s. Anmerkung unten). Das Latinum wird bei mindestens ausreichenden Leistungen nach derzeitigem Stand am Ende von Jahrgangsstufe 12 erworben.
Latein als dritte Fremdsprache verschafft eine ideale Basis zum Erlernen weiterer Fremdsprachen. Die lateinische Sprache ist ein Modell dafür, wie Sprache aufgebaut ist, aus welchen Elementen Sprache besteht und wie Sprache „funktioniert“.
Sie sensibilisiert für das System Sprache und für die Feinheiten der Grammatik.
Wer Latein als Sprache lernt, lernt zugleich seine eigene Muttersprache besser kennen. Auf diese Weise verbessern sich sprachliche Beweglichkeit und Sicherheit im Ausdruck. Darüber hinaus sind mit Hilfe des Lateinischen viele Fremdwörter und Fachausdrücke im Deutschen leichter zu verstehen.
Das Erlernen der lateinischen Sprache unterscheidet sich vom Erlernen der übrigen Fremdsprachen dadurch, dass das Unterrichtsgespräch in Deutsch geführt wird, d.h. die sprachlichen Strukturen in der Muttersprache analysiert und reflektiert werden.
Im Lateinunterricht des Wahlpflichtbereiches II werden folgende Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt:
- Beherrschung eines Grundwortschatzes
- Kenntnis der wichtigsten grammatischen Strukturen
- Techniken, Möglichkeiten und Grenzen des Übersetzens (Übersetzungsvergleich)
- Grundkenntnisse über Geschichte, Religion, gesellschaftliches und politisches Leben der Römer.
Der Lateinunterricht vermittelt also nicht nur Sprache, sondern macht die Schüler auch bekannt mit der faszinierenden Kultur der griechisch-römischen Antike, die fast zwei Jahrtausende lang die Geistesgeschichte Europas entscheidend geprägt hat und heute noch prägt. Häufig ergeben sich daraus auch Querverbindungen zu anderen Fächern und ihren Unterrichtsinhalten.
Der Unterrichtsstoff des Fachs Latein besteht zunächst aus kürzeren Texten, deren Erschließung und Übersetzung ein gewisses Maß an Abstraktionsvermögen voraussetzt. Formen- und Satzbaulehre schulen das Gedächtnis und können bei der Entwicklung theoretischer Fertigkeiten behilflich sein. Es geht hierbei um Beobachten, Beschreiben, Zusammenfassen, Verallgemeinern, Übertragen oder auch Systematisieren. Für die SchülerInnen dieses Lernalters gelten andere sachliche und lernpsychologische Voraussetzungen als für SchülerInnen, die Latein als zweite Fremdsprache wählen. In diesem höheren Lernalter lernen sie im Allgemeinen stärker in Zusammenhängen, besitzen größere Erfahrungen im Umgang mit der Muttersprache und haben bereits Anforderungen und Methoden zweier Fremdsprachen kennen gelernt.
Diese Vorerfahrungen lassen sich – bei aller Verschiedenheit der Sprachen – für das Erlernen der lateinischen Sprache nutzen und ermöglichen einen rascheren Lernfortschritt. Das Lehrbuch trägt dieser Situation Rechnung.

Anmerkung: Das Latinum ist ein bundeseinheitlich anerkannter Abschluss. Es bezeichnet den amtlichen Nachweis über in bestimmtem Umfang erworbene und nachgewiesene Lateinkenntnisse.