Ein Fachseminar für „Qualitätsmanagement“ im Ursulinenkloster Duderstadt
Fünf Schüler des St. Ursula Gymnasiums aus Dorsten auf der Suche nach Qualität im Management
Es war Montag der 01.03.2010, als wir unsere Reise nach Duderstadt antraten und alle schon sehr gespannt waren, was uns genau auf dem Fachseminar für „Qualitätsmanagement“ erwarten würde.
Ebenso waren wir auf den Ort gespannt, in welchem wir uns die nächste Woche aufhalten würden.
Als wir in der Mittagszeit im Ursulinenkloster Duderstadt eintrafen wurden wir gleich von einer Schwester des Hauses freundlich empfangen. Nach einer kurzen Vorstellung wurden uns unsere Zimmer
genannt und nachdem wir sie bezogen hatten, konnten wir uns noch eine viertel Stunde lang den Ort etwas näher ansehen, bevor das Seminar dann endlich losging. Die ersten Eindrücke wirkten auf uns
sehr positiv. Besonders der Baustil, der überwiegend sehr alten Häuser gefiel uns sehr gut, da wir dies aus Dorsten in diesem hohen Maße nicht gewöhnt waren. Als wir zurückkamen lernten wir in der
Empfangshalle die anderen Schüler, welche ebenfalls an dem Seminar teilnahmen, direkt kennen. Sie kamen aus Hannover, Köln und Bonn. Sechs weitere Schüler aus Bielefeld sollten später noch eintreffen,
da ihr Zug Verspätung hatte. Des Weiteren lernten wir Sr. Ingeborg Wirz und Frau Dr. Boße von der Universität Hildesheim kennen, welche das Seminar die Woche über leiteten.
Im Anschluß stellten sich Schwester Ingeborg und Frau Dr. Boße noch einmal offiziell vor und sagten ein paar Sätze zu dem uns bevorstehenden Seminar. Danach erfuhren wir anhand einer kleinen Führung
durch das Kloster mehr über seine Historie und der Bauarchitektur. Zum Abend hin trafen dann auch die anderen Schüler ein. Nachdem wir uns alle mit dem Abendeßen gestärkt hatten gingen wir im Anschluß
noch etwas näher auf das Seminar ein. In einzelnen Gruppen erarbeiteten wir die Bedeutung von einigen grundsätzlichen Begrifflichkeiten, mit welchen wir uns die nächste Woche beschäftigen und vor allem
hinterfragen sollten. Zu den Begriffen zählten unter anderem „Qualitätsmanagement“ an sich, „Sozialkompetenzen“ und „Schlüßelqualifikationen“.
Mit einer kreativen Aufgabe, in welcher jeder einzelne sich selbst, seine persönlichen Ziele und sein zukünftiges Leben auf einem kleinen Plakat darstellen sollte, rundeten wir den erfolgreichen
Einstieg in das Seminar ab.
Am zweiten Tag unseres Aufenthalts in Duderstadt hatten wir die Möglichkeit, Einblicke in ein uns eher fremdes Gebiet zu erhalten: Prothetik. Die Referenten des Tages gehörten zu dem Unternehmen
„Otto Bock“, welches Weltmarktführer im Bereich der Prothetik ist.
„Otto Bock“ besitzt weltweit 43 Standorte, wovon sich auch einer in Duderstadt befindet.
In den Vorträgen von Herrn Kapprell und Frau Meinig wurde uns zunächst das Unternehmen mit seinen Strukturen vorgestellt und anschließend der Bereich des Qualitätsmanagements näher erläutert.
Im zweiten Teil ging es besonders um Qualität in der Kommunikation, was wir auch durch verschiedene kleine Spiele selbst ausprobieren konnten. Generell wurden wir Teilnehmer gut durch mehrere
Gruppenarbeiten eingebunden, wobei wir das neu Erlernte direkt anwenden konnten.
Eine ganz besondere Erfahrung war die Betriebsbesichtigung von „Otto Bock“ am Nachmittag. Während uns am Vormittag alles theoretisch erklärt wurde, durften wir nun selbst miterleben, wie es in solch
einem großen Unternehmen zugeht.
Herr Rittmeier führte uns durch die verschiedenen Hallen und erklärte uns die Prozeße der Fertigung an den vielen Maschinen und als er uns den Logistik-Bereich gezeigt hat, konnte man die Ausmaße
des Exports gut erkennen. Die Größe des gesamten Betriebs wurde uns später erneut bewußt, da wir nach der Führung durch die riesigen Gebäude ziemlich erschöpft waren. Doch bevor wir zurück zum Kloster
gingen, haben wir im Empfangsbereich von „Otto Bock“ einen Mann gesehen, der eine Prothese trug. Diese Begegnung rundete die Führung sehr gut ab, weil man an diesem Mann, der mit seinem Schicksal sehr
offen umging, die Wichtigkeit von hoher Qualität in der Prothetik sehr gut sehen konnte.
Zurück im Kloster besuchten wir gegen Abend die Vesper in der Klosterkirche, zu welcher uns Schwester Ingeborg viel Intereßantes erzählte.
Der Abschluß dieses ereignisreichen Tages bildete ein gemeinsames Pizzaeßen im Ratskeller.
Am Mittwoch, dem 3. Tag unseres Workshops, stand folgendes auf dem Plan: Nach dem Frühstück ein Vortrag der Bezirksregierungspräsidentin von Detmold Frau Thomann- Stahl (FDP) und nach dem Mittageßen
eine „Audienz“ bei der stellvertretenen Bürgermeisterin im Sitzungßaal des Rathauses von Duderstadt.
So ging’s los: Frau Thomann- Stahl referierte mit den Charakterzügen einer Iron-Lady über das Qualitätsmanagement in der Politik und in den Behörden. Ihre trockenen und teilweise etwas sarkastischen
Kommentare mischten dieses anspruchsvolle Thema etwas auf und sorgten für einige Lacher. Folgendes Beispiel bezüglich der skurrilen Gesetzesparagraphen, welche man beim Bau einer Autobahn beachten muß:
Damit die Lebensweise des in der Nähe der Autobahn lebendes Wilds nicht negativ beeinträchtigt wird, müßen wegen des Wildwechsels alle 500 m Brücken errichtet werden, damit die Tiere die Autobahn
überqueren können. Klingt logisch. Allerdings müßen diese Brücken, die im Abstand von 500 m gebaut werden, mindestens 15 m breit sein, damit sie vom Wild ja nicht übersehen werden können. Neben solch
kleinen Anekdoten war der restliche Stoff jedoch ziemlich voluminös, wenn auch sehr informativ. Anschließend folgte eine Debatte über politische Fragen im Allgemeinen, bei der sich die
Bezirksregierungspräsidenten den Themen Bildungspolitik in NRW, Bildungspolitik auf Bundesebene, Erbschaftßteuer u.v.m. stellen mußte. Ihre Antworten waren meist typisch politisch, manchmal ziemlich
verständlich, manchmal wich sie jedoch auch gekonnt aus.
Am Nachmittag haben wir das Duderstädter Rathaus besichtigt. Darüber hinaus lud die stellvertretende Bürgermeisterin in den offiziellen Tagungsraum des Rathauses ein, wo kommunale, politische
Entscheidungen gefällt werden. Sie hat uns über Qualitätsmanagement auf kommunaler Ebene informiert, woraufhin eine hitzige Diskußion über den Straßenbau und die finanzielle Beteiligung der
Grundstückeigentümer, die davon betroffen sind, entbrannte.
Nach dem Besuch im Rathaus konnten wir uns außuchen, was wir tun wollten. Einige haben einen gemeinsamen Fernsehabend gemacht, die anderen haben sich das 30 km entfernte Göttingen angesehen.
Der Donnerstag war unser persönliches Highlight: Herr Krebs, der National Sales Trainee Manager der Coca Cola Erfrischungsgetränke AG, nahm sich den ganzen Tag Zeit für uns und ging von persönlichen,
sozialen und methodischen Kompetenzen über Organigramme bis hin zu Wegen der Qualitätßicherung und –steigerung auf alle Themen ein, die wir mit dem Thema des Workshops verbanden oder uns schlichtweg
intereßierten. Dabei wußte er wohl, uns zu unterhalten. Einer der spannendsten Teile seines interaktiven Vortrags war das „Vier-Boote“-Spiel, in dem es darum ging in vier verschiedenen Teams möglichst
erfolgreich zu sein. Doch ging die eigentliche Definition von „erfolgreich“ nicht aus der Spielanleitung hervor. Das Rätsel um „gegeneinander“ oder „miteinander“ sorgte für viel Kopfzerbrechen und
Aufregung. Herr Krebs gelang also ein abwechslungsreicher und äußerst intereßanter Vortrag, der auch bei den anderen Teilnehmern viel Lob einheimste.
Am letzten Tag unseres Workshops blieben uns noch einige Stunden, um abschließend eine kleine Zusammenfaßung zum Thema Qualitätsmanagement präsentiert zu bekommen. Dies übernahm Frau Dr. Boße.
Zusätzlich veranschaulichte sie qualitatives Management an exemplarisch ausgesuchten Beispielen, da die Gruppe am Abend zuvor der Meinung war, daß dies in der Woche nicht intensiv genug aufgeführt
wurde. Wir hatten zwar viel zu diesem Thema erarbeitet. Aber dennoch waren wir der Ansicht, daß der Begriff „Qualitätsmanagement“ und die damit verbundene Thematik noch einmal an exemplarischen
Beispielen verdeutlicht werden sollte.
Durch einige Beispiele aus Politik und Wirtschaft entstanden schnell weitere Diskußionen, in welchen wir unsere eigenen Ansichten und Standpunkte gut einbringen konnten. Da einige der Teilnehmer
schon vor dem Mittageßen abreisen mußten, wurden der Vortrag und die Diskußionen immer wieder durch Abschiede unterbrochen. Zum Schluß blieb nur noch die Hälfte der Kursteilnehmer zu einem
letzten Mittageßen zurück. Wir aßen noch einmal gemeinsam und beendeten unseren Workshop symbolisch mit dem Lied „Danke Vater für die Gaben“, welches wir vor jedem Mittag – und Abendeßen sangen.
Somit endete das Seminar auch für uns Dorstener. Wir machten uns mit dem Gefühl, viel für unser weiteres Leben gelernt zu haben, auf den Weg nach Hause. Einerseits hatten wir viel über Qualitätsmanagement
gelernt. Aber auch über die Tatsache, daß man seinen Lebensweg kaum genau planen kann und es nicht schlimm ist, wenn man in unserem Alter noch nicht genau weiß, was man machen will. Denn genau dies
hatten uns die Referenten gezeigt: Kaum einer von ihnen hatte nach der Schule schon gewußt, was er später einmal werden wollte. Letztendlich hatten sie aber doch alle etwas gefunden, was ihnen Spaß
machte.
Ein Bericht von Natalie Diedrichs, Marie Sophie Pocha, Gundula Schumann, Karoline Winter und Yannick Rautenberg.
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